Lieblingsprodukt – Lederjacke/Versuchung – Fleisch

11251561_970722089633971_1273392821_n

Lieblingsprodukt:

Das beste Produkt das ich besitze, ist definitiv und ausser Konkurrenz. Ein mir hoch und heiliges Gut, welches mir schon des öfteren abhanden gekommen ist. Dunkle Stunden die ich ohne sie durchlebt habe, in Angst und Bangen, sie vielleicht nie wieder zu finden. Doch was das Schicksal vereint, kann der Mensch nicht trennen. Es ist und bleibt…Tadaaa…einfach unübertroffen, meine Lederjacke. 8 Jahre alt, 350 Gramm schwer, Größe M, gebürtige Italienerin. Ihre Mutter eine Kuh, der Vater hat die Familie früh verlassen, man weiß nichts über ihn. Spaß beiseite. Ich trage diese Jacke zu jeder Jahreszeit und werde einfach nicht satt von ihr. Obwohl sie verhältnismäßig günstig war, hält sie schon ziemlich lange und einiges aus. Zu Anfang war sie schwarz, mittlerweile ist sie jedoch grünlich erblasst. Das Innenfutter ist schon längst zerfetzt und hängt in Fragmenten herunter, so das ich nicht selten versehentlich, mit meinen Armen zwischen Leder und Polyester gerate. Kürzlich entdeckte ich das erste Löchlein, im erstaunlich robusten und trotzdem weichen Leder. Ich kann nur hoffen, dass es bei diesem kleinen bleibt. Der Verlust meiner besten Wegbegleiterin wäre tragisch und schwer zu verkraften. Ihr Schnitt ist zeitlos und schreit nach Rock’n’Roll, wobei sie auch schon zum kleinen schwarzen ausgeführt wurde. Ja sie hat schon eine starke Persönlichkeit. Erst wenn man sie lange kennt, bemerkt man ihre Sanftmut. Elegant auf den zweiten Blick. Ohne sie würde mir einiges fehlen. Grundsätzlich besitze ich relativ wenig Kleidung. Das war nicht immer so. In der Vergangenheit habe ich gerne konsumiert und den Rausch der Ersatzbefriedigung genossen. Doch es kam der Punkt, dieser näherte sich schleichend an, dass all die Dinge um mich herum mich zu belasten anfingen und ich mich nach und nach ihnen entledigte. So auch der Großteil meiner Garderobe. Kistenweise habe ich an gemeinnützige Organisationen gespendet und mir zum Mantra gemacht, nur noch Dinge und Kleidung zu kaufen, die ich wirklich haben will und auch häufig trage und wenn sie ein paar Euro mehr kosten. Das befriedigt mich heute viel mehr. Zu wissen, dass ich nicht viel habe, weil ich es nicht brauche. Wobei ich sichtlich immer noch im Überfluss lebe. Mein Bewusstsein für Nachhaltigkeit hat sich automatisch im Laufe meines Studiums ausgeprägt. Woran das liegt weiß ich nicht genau. Vielleicht am Alter, am Wesen des Kommunikationsdesigners, oder an meiner Erziehung. Zurück zum Thema. Ich werde diese Jacke tragen bis sie den Geist aufgibt und vollständig auseinander gefallen ist. Mir ist bewusst, dass dieses Produkt ethisch nicht wirklich vertretbar ist. Da dafür ein Tier gestorben ist und es warscheinlich unter fragwürdigen Bedingungen, in einer Form der Massenproduktion hergestellt wurde. Aber ich liebe sie. Endlose Treue. Ich taufe sie auf den Namen: „Sandy“, wie das Mädchen aus dem Rockabilly-Film „Grease“. Das hätte ich längst tun sollen. Auf das sie ewig lebe. Amen

 

11418270_992844400755073_1056505559_n

Versuchung:

In Anbetracht der Tatsache, dass ich eine ökologisch, biologisch, vegetarische Erziehung und Sozialisierung in einem esoterisch/spirituellen Elternhaus genossen habe, stellt das Thema Fleisch für mich eine mit Schuldgefühlen und Fragen behaftete Versuchung dar. Ich sehe dieses Thema kritisch, nicht nur unter ökologisch und ethischem Aspekt, sondern primär unter einem spirituellen. Ich kann nicht mit mir vereinbaren, dass totes Material, ein Lebensmittel sein soll und mir als Tier, welches aus selbiger Substanz besteht, Lebensenergie spenden kann. Das Thema Massentierhaltung möchte ich an dieser Stelle gar nicht erst versuchen zu erläutern, denn Argumente dafür wird es nicht geben. Generell ist Ernährung ein für mich schwieriges Thema und so gab es immer wieder Phasen in denen ich Fleisch gegessen habe, vegetarisch oder sogar vagen lebte. Meine fleischlosen Phasen brechen immer wieder ein, denn der Körper sagt ja. Ich weiß  das ich ein gutes Körpergefühl habe und darauf vertrauen kann. Ich möchte ihm geben was er braucht. Meine Enthaltsamkeit beruhend auf Schuldgefühlen hat mir viele Mangelerscheinungen eingehandelt, die ich nun erschwerlich ausbügeln darf. Fest steht, ich möchte kein Fleisch essen und kann es auch bis heute nicht geniessen. Von Schweinefleisch bekomme ich sogar direkt Magenschmerzen. Vielleicht würde es helfen, nur ab und an wirklich gutes Fleisch zu kaufen und das dann bewusst zu geniessen. Es ist nicht umsonst ein wild diskutiertes Thema und für mich ein psychisches, dass mich oft überfordert. Mein Menschenverstand ist überzeugt davon, mich fleischlos zu ernähren, doch es fällt mir nicht leicht und eine bewusste Entscheidung auf mentaler Ebene, reicht zumindest in meinem Fall nicht aus, dieses auch dauerhaft umzusetzten. In Zukunft ist es mir ein Anliegen, vollends auf Fleisch zu verzichten.