Domino/Wissen – Was ist das?

Schon Platon sagte „Ich weiß, dass ich nicht weiß“.  Diese Aussage ist heute so wahr wie zur Zeit Platons. Die Annahme, wir alle hätten mehr Wissen durch unseren permanenten Zugang zum Internet halte ich für einen gefährlichen Trugschluss; viel mehr trifft es der geflügelte Begriff ‚gefährliches Halbwissen‘. Alle die nicht von dem Überfluss an Information dermaßen verunsichert sind, dass sie alle Aussagen die sie treffen ausführlich hinterfragen, begeben sich auf sehr dünnes Eis. Ich selber erwische mich oft dabei wie ich mit Pokerface „Informationen“ zum besten gebe die ich mal im Vorbeigehen/Im Fernsehen/von Freunden aufgeschnappt habe, als wäre sie die einzige offensichtliche Wahrheit. Wenn es unbemerkt bleibt/ich zufällig Recht hatte ist das natürlich ein gelungenes Manöver, allerdings passiert es auch allzu oft dass so eine Situation in peinlicher Stille endet.

Aber was ist eigentlich Wissen? Ist Wissen zuverlässig? Oder überhaupt ein greifbarer Begriff? Selbst dieses Wissen das man sich in der Bibliothek mühsam aneignet und nicht einfach einem dubiosen Wikipedia Artikel entnimmt, ist doch letztendlich die Meinung bzw. die Sichtweise eines Autors. Auf der anderen Seite gibt es natürlich Ergebnisse von Studien, denen man als Laie nicht widersprechen kann/will (anzweifeln kann man natürlich alles)  – gibt es also bewiesenes, fundiertes, allgemeingültiges Wissen nur in der Wissenschaft? Der Begriff ‚Wissen‘ scheint sehr diffus.

Selbst auf einer sehr viel persönlicheren ebene ist Wissen schwierig oder wenigstens nicht konstant – ich habe Rindfleisch gehasst und genieße es mittlerweile. Ich war mal schüchtern und bin jetzt viel selbstsicherer. Kann ich also nicht mal die grundlegendste Aussage über mich selbst treffen? Wenn ich weiß, dass alles, was ich meine über mich zu wissen, in einem Jahr schon völlig ungültig sein kann? Wer kann schon wirklich die Frage beantworten ‚wer bin ich?‘?

Vielleicht ist die Tatsache, dass man Wissen so leicht als irrelevant von der Hand weisen kann – besonders sich selbst kann man durch die scheinbare Invalidität sämtlicher Studien und wissenschaftlichen Erkenntnisse besonders gut belügen, da man sich selbst seltenst zu einer tatsächlichen Stellungnahme herausfordert – auch der Grund warum ein ökologisches Bewusstsein und Gewissen so verhältnismäßig schwach ausgeprägt ist. Nach dem unausweichlichen Schock nach einer intensiven Dokumentation oder einem erschreckenden Artikel weichen die hastig gefassten guten Vorsätze schnell wieder der Alltäglichen selektiven Wahrnehmung und Faulheit. Probleme wie der Kinderwandel, Kinderarbeit etc. sind zwar bekannt und werden von allen Seiten bedauert, aber die allermeisten ergeben sich der schieren Unlösbarkeit solch umfassender Probleme und umgeben sich lieber mit Ignoranz und ergeben sich in Ermangelung eines direkten konkreten Lösungsansatzes, der zur sofortigen Lösung des Problems führt, der Tatenlosigkeit.

Nach diesem pessimistischen Kommentar zum Thema stellt sich die Frage – ist Wissen wirklich die Grundlage für ökologisches Denken oder braucht der Mensch einen anderen Anreiz, sich tatsächlich einem nachhaltigen Lebensstil zuzuwenden? Ein begrüßenswerter Trend in Sachen Ökologie ist schon zu beobachten – Veganes Leben, Mitfahrgelegenheiten etc sind so populär wie nie. Vielleicht sind es das Zugehörigkeitsgefühl und das Gefühl, etwas Gutes zu tun dem Gefühl des logischen Handelns überlegen und die tatsächliche Motivation die ein nachhaltiges Leben begünstigen kann. Ich persönlich kann diese Frage nicht beantworten – meine Zeit als Vegetarier war tatsächlich eher durch das Gefühl ‚ich kann nichts Totes essen‘ motiviert als durch einen Gedanken zum ökologischen Gemeinwohl. Wenn das Resultat dasselbe ist, muss man die Hintergründe vielleicht gar nicht so genau benennen.