Domino/Status – Nachhaltigkeit braucht Status

Status

Der Mensch strebt nach Ruhm und Anerkennung und definiert sich über seinen Besitz. Status ist in Köpfen Vieler ein sehr negativ behaftetes Wort, so ist er doch einer der Hauptgründe für unsere ökologischen Probleme. Jedoch werden diese Probleme nicht gelöst, indem man versucht den Menschen zum gänzlichen Verzicht auf ihren Luxus zu bewegen. Viel mehr sollte das Ziel sein, ökologische und für den Kunden attraktive Alternativen zu bieten, die dem Konventionellen jederzeit vorgezogen werden können. Das Augenmerk sollte darauf liegen, ökologische Produkte begehrenswert und zugänglich zu machen, denn Nachhaltigkeit braucht Status.

Das beweist auch eine sozialpsychologische Studie („Going Green to Be Seen“) der Universität Minnesota. Zu Erst wurden Probanden in diversen Fallbeispielen befragt, für welches Produkt sie sich beim Kauf entscheiden würden – lieber der 244-PS-Sportwagen mit Ledersitzen, oder das Hybridauto mit Baumwollbezügen? Flüster-Geschirrspüler mit Anti-Wasserfleck-Technik, oder das wassersparende Gerät aus Recyclingteilen? Zunächst entschieden sich alle für die komfortable Version, änderten ihre Meinung jedoch schlagartig, als man ihnen die ökologischen und sozialen Vorzüge des anderen Produktes erläuterte. Schlussendlich kam heraus, dass sie ihre Entscheidung nur aus Prestige-Gründen änderten. Die Bereitschaft mehr Geld für mehr Anerkennung zu zahlen, ging sogar so weit, dass die Probanden ihre Produkte nicht online kauften, sondern in einem Geschäft, damit sie von anderen dabei gesehen werden konnten.

In einer andere Studie der Universität Bonn, stellten Wissenschaftler fest, dass der alleinige Anblick von Obst und Gemüse mit Ökolabel unser Belohnungszentrum zu einem wesentlichen Teil stärker aktiviert, als beim Anblick von konventionellen Lebensmitteln. Die Testpersonen waren sogar bereit 40% mehr für das Bio-Siegel zu zahlen. Dieser Trend spiegelt sich in unserer Ernährung wieder – McDonalds kämpft um die eigene Existenz und versucht, um jeden Preis, mit Werbung und vegetarischen Menüs Kunden zurückzugewinnen, die lieber zum neuen, hippen und teureren Öko-Burgerladen um die Ecke gehen – mit Biofleisch und veganem Angebot.

Etwas anders sieht es jedoch in der Kleidungsbranche aus. Die Bereitschaft höhere Summen für ökologische Produkte zu zahlen besteht zwar, hält den Normalverbraucher aber noch lange nicht davon ab bei Textilriesen wie Primark einzukaufen. Laut einer Umfrage würden 66% auf den Einkauf  bei Modeketten, die ihre Produkte bei Menschenunwürdigen Verhältnissen produzieren, verzichten. Tatsächlich tun es aber nur die Wenigsten, denn der Umsatz von Primark boomt und steigt jährlich weiter an. Auch Luxus-Firmen wie Hugo Boss verlieren nicht an Prestige, indem sie weiterhin nicht nachhaltig produzieren. Ökologische Kleidung ist im Kommen – aber eben nur für eine bestimmte Nische von Kunden. Dabei gibt es mittlerweile eine ordentliche Anzahl von Öko-Modelabels, die moderne Kleidung, jenseits des „Müsli-Jochen-Klischees“ anbieten. Diese müssten auch zur Prestige werden und sich, gerade im Luxusbereich,  stärker durchsetzen. Selbst der Textilriese H&M wettert einen Trend beim Thema Nachhaltigkeit und springt mit seiner „Conscious Collection“ mit auf den Zug auf. In der Kollektionen werden Recycling- und Baumwollstoffe verwendet, aber eben nur anteilig. Der Name sorgt aber trotzdem für guten Verkauf und selbst diese kleine Änderung geht bereits in die richtige Richtung und sorgt dafür dass H&M, als Teil des Nachhaltigkeitsberichts ihre Lieferantenliste veröffentlicht. Der Druck der Öffentlichkeit zwingt immer mehr große Firmen zur Transparenz.

Werbekampagne der Öko-Luxusmarke Abury

Der aktuelle Trend beweist: wenn ökologische Produkte der breiten Masse zugänglicher gemacht und ästhetisch aufbereitet werden, werden sie (vor allem durch ihren nachhaltigen Faktor) zum Statussymbol.

 

 

Quellen:

http://www.zeit.de/zeit-wissen/2012/03/Werbung-Manipulation-Kaufrausch/seite-5

http://www.zeit.de/2012/13/Bio-Frage-7-Psyche

http://www.zeit.de/lebensart/mode/2013-04/HM-conscious-collection-faire-Mode

http://www.rsm.nl/fileadmin/Images_NEW/Publications/Insight/RSM_Insight_04_Green.pdf