Die Subjektivität des Qualitätsempfindens

Qualität als subjektives Empfinden und der daraus resultierende Wunsch nach ihrer Erlebbarkeit

Der Bergriff Qualität wird von uns fast immer wertend verwendet: „Dies ist von guter, jenes von schlechter Qualität“.
Man spricht also von der Güte bzw. Beschaffenheit einer Sache. Diese Sache muss nicht notgedrungen materiell sein. Auch immaterielle Dinge können unterschiedliche Qualitäten haben beispielsweise Musikstücke, Geschichten etc…

Die Art wie die Zustandsform einer Sache wahrgenommen wird hängt eigentlich voll und ganz vom jeweiligen Nutzer ab.
Dieser Nutzer will und kann sich heut zu Tage nicht mehr allein auf seine sinnliche Wahrnehmung der Dinge verlassen und nimmt sich deshalb bestimmte Mittel zu Hilfe.

 

Die Subjektivität des Qualitätsempfindens lässt sich wie folgt erklären:
Erfüllt das Ding den vom Nutzer A gewünschten Zweck, verbindet also seine Vorstellung der Sache mit der Realität, hat es für ihn eine gute Qualität. Das gleiche Ding soll nach Nutzer B andere Vorstellungen umsetzen. Schafft es das nicht wird Person B dem Ding eine andere Qualität beimessen.

Abhängig vom Nutzer gibt es allerdings noch tiefgreifendere Gesichtspunkte, die ihn über die Güte einer Sache entscheiden lassen als deren momentane Zustandsform und die Erfüllung ihres Zwecks: Abläufe die vor dem passiert sind, was ich als Benutzer sehen und erstehen kann.
Diese sind vor Allem in ökologischen Zusammenhängen interessant.
Welche Wege hat mein Produkt wie hinter sich?
Wo wurde es, wie, von wem, unter welchen Bedingungen hergestellt?
Aus was wurde es gefertigt?

Wegen der steigenden Komplexität, der von uns konsumierten Dinge, steigt die Zahl der Schritte die sie zu dem machen was sie sind.
Dadurch werden sie unbegreifbar für uns und es entsteht die Notwendigkeit Mehr unter Betracht zu ziehen, als bloße Zweckerfüllung um Qualität beurteilen zu können.
Ihre beim Einkauf bloß noch digitale Präsenz und das nicht vorhandene  Vertrauen in die eigene Einschätzung von Sachen, lassen in uns den Wunsch entstehen Qualität allgemein gültiger zu erleben bzw. erlebbarer zu machen.

Die Mittel hierfür sind sehr unterschiedlich.
In der Konsumindustrie werden Marken genutzt zu zeigen, dass ein Produkt eine bestimmte Güte hat.
Die in der Vergangenheit benutzten Erzeugnisse dieser Marke waren gut, also wird angenommen, dass ein anderes Produkt der gleichen Marke von äquivalent zufriedenstellender Machart ist.Dies kann durch Werbung gezielt gefördert werden.
Der Konsument verbindet mit der Marke ein Know- How auf deren Gebiet. Der Konzern kennt sich in seinem Produktionsbereich aus und stellt folglich gute Produkte her:
Bosch-Werkzeuge, Adidas-Sportartikel, etc..
Wegen dieses, teilweise über mehrere Generationen entstandenen, „Marken-Qualitätsempfindens“ wird vom Konsument zusätzlich angenommen, dass ein hohe Preis, der für Markenware bezahlt wird ein weiterer Garant für hohe Qualität ist.
Der zukünftige Nutzer trifft zwar eine subjektive Kaufentscheidung aber in der Hoffnung darauf sich durch die Marke, die das Produkt auszeichnet etwas Ordentliches gekauft zu haben.

Ein ähnliches Phänomen ist die Auszeichnung von Produkten mit Siegeln.
Sie zertifizieren bestimmte Eigenschaften des gekennzeichneten Produkt, bestimmte Herstellungshintergründe oder das ganze Produkt in sich.
Für nachhaltig erzeugte Lebensmittel gibt es beispielsweise folgende Auszeichnungen:


Leider herrschen aber auch unter diesen Qualitätssiegeln qualitative Abstufungen:
https://www.test.de/Nachhaltigkeitssiegel-Koennen-Verbraucher-Fairtrade-Utz-Co-vertrauen-5007466-5009333/
Zusätzlich gibt es auch bewertende, staatliche Prüfinstitutionen wie den TÜV.
Aber auch Institutionen wie Stiftung Warentest oder Öko-Test, sollen uns Entscheidungen erleichtern und Qualitäten besser bestimmen lassen.
Weiterhin haben sich über die immense Zunahme der Einkäufe im Internet diverse Testbericht-Seiten entwickelt. Der zukünftige Nutzer des Produkts ist in der digitalen Welt nicht mehr in der Lage sein gewünschtes Produkt durch eigene sinnliche Erfahrung zu beurteilen. Zudem werden die Dinge die wir benutzen technisch immer anspruchsvoller, so dass wir sie gar nicht einschätzen können.
Aus dieser „Hilflosigkeit“ heraus verlässt man sich auf die Einschätzung der Experten der oben genannten Institutionen und Internetplattformen.

Eine weitere Möglichkeit Einschätzungen zu der Qualität von Produkten zu bekommen, die man kaufen will ist das lesen von Rezessionen im Internet.
Sehr demokratisch ist Jeder in der Lage über gekaufte Produkte oder Dienstleistungen öffentlich sichtbar zu urteilen und somit in Summe die Güte von Produkten allgemein zugänglich zu machen.
Marken und Siegel bleiben immer nicht ganz greifbare Zertifizierungen bei denen unklar bleibt wer oder was dahinter steht.
Wenn allerdings Markus B., am 15.03 sagt diese Salatschleuder leiste ihm hervorragende Dienste, weil sie richtig gut schleudert und Manuela K., ihm am 16.03 zustimmt und weitgehend hervorhebt, dass die Salatschleuder gut zu reinigen ist macht es mir das einfacher das Produkt ungesehen zu erwerben. sowohl Markus B. als auch Manuela K. und alle anderen Rezessionisten haben hoffentlich keinerlei (wirtschaftlichen oder sonstigen) Vorteil darin die zukünftigen Käufer anzulügen.Dadurch dass mir die Meinungen der Anderen über eine Sache zugänglich gemacht werden, wird mir die Qualität des Produkts zugänglicher gemacht. Je mehr Einschätzungen ich lesen kann um so besser kann ich selbst urteilen und einschätzen ob das Produkt meiner Vorstellung entsprechen wird.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Beurteilen von Qualität in direkter sinnlicher Erfahrung der Produkts ein sehr subjektiver Vorgang ist. Aber über oben Genanntes wird versucht dem zukünftigen Nutzer die Beschaffenheit und Güte eines Produkts erlebbar zu machen und somit Entscheidungssicherheit zu vermitteln.

 

LINKS

http://www.tuev-sued.de

https://www.test.de/

http://www.oekotest.de/

http://www.testberichte.de/