Versuchung / Schokolade

Ich esse sehr gerne Schokolade. Ein Stückchen Schoko nach dem Mittagessen und noch ein bisschen mehr am Abend. Das macht mich vorerst glücklich, kommt aber weder meiner Gesundheit noch der Umwelt zugute. Kakao wird überwiegend an der Elfenbeinküste und in Indonesien angebaut. Das bedeutet, der Kakao legt einen weiten Transportweg zurück. Sowohl im Anbau als auch in der Verarbeitung zur Schokolade ist der Wasserverbrauch sehr hoch. Bis die Kakaobohne zu dem wird, was ich als Genussmittel konsumiere, kommen da noch Farbstoffe, Säuerungsmittel, Geschmacksstoffe und ganz viel Zucker dazu.

Die Kakaobohne hat im aktuellen Nachhaltigkeits- und Gesundheitstrend ihr Image als „Superfood“ erhalten. Zu kaufen gibt es die Frucht als Rohkakao-Pulver, ganze Bohnen oder „Nips“ – meistens importiert aus Kalifornien. Auch wenn hier der weite Weg die Umwelt belastet, ist der Kakao in dieser Form nicht durch Verarbeitungsprozesse und ungesunde Zusatzstoffe belastet. Immer häufiger greife ich deswegen zur Fairtrade-Schokolade und zum unbehandeltem Rohkakao zum backen. Doch auch die Siegel, die Schokolade aus fairem Handel und nachhaltiger Produktion versprechen, erzählen nicht immer die Wahrheit. Wie bei so vielen Konsummitteln, weiß ich gar nicht mehr wie ich es richtig machen kann. Die schönen naturfarbenen Verpackungen könnten eben auch nur in Marketing Tick und wenig aussagekräftig sein.

Die „Schokotour“ von Amsterdam, hat mich als Schoko-Fan begeistert. Radfahrer aus vielen verschiedenen Städten treffen mit ihren privaten oder gesponserten Lastenrädern in Duisburg zusammen und machen sich gemeinsam auf den Weg zur Schokoladenfabrik „Chocolatemakers“ nach Amsterdam. Dieses Jahr waren es knapp 80 Lieferanten, die insgesamt 11.500 Tafeln Schokolade in viele Regionen Deutschlands brachten. Eine dieser Tafeln hat den Weg zu mit gefunden. Die Verpackung sieht gut aus und in der dunklen Zartbitterschokolade sind Kakaonips. Schmeckt bitter, schokoladig und gesünder als die sahnige Milchschokolade von Lindt oder Rittersport.

Die Wertschöpfungskette einer Tafel Schokolade beginnt auf Kakaoplantagen an der Elfenbeiküste, in Ghana, Brasilien, Ecuador oder Indonesien. Dort reift die kakaofrucht bei 24 bis 28°C und hoher Luftfeuchtigkeit bis sie zwischen März und Oktober geerntet wird. Die Kakaobauern fermentieren und trocknen die Früchte. Sie arbeiten oft unter sehr schlechten Bedingungen, da sie nicht genug Geld für Düngemittel, Arbeitskräfte und neue Bäume verdienen. Mit dem Schiff werden die Bohnen zu Zwischenhändlern gebracht, die den Rohstoff an die großen Unternehmen liefern. Dort wird der Kakao zu verschiedenen Formen (Kakaomasse, -butte etc.) verarbeitet und an die Schokoladenhersteller verkauft. Der letzte Schritt ist der Handel. Die Großkonzerne zur Weiterverarbeitung von Kakao, die Schokoladenhersteller und die Händler werden von fünf Unternehmen dominiert. Die ILO (Internationale Arbeitsorganisation) versucht die Kakao-Branche mit internationalen Gesetzen von Kinderarbeit zu befreien, trotzdem gibt es immer wieder neue Fälle von Kinderarbeit auf Kakaoplantagen. Das liegt auch daran, das Kinder günstige Arbeitskräfte sind. Die Preise für den Rohkakao sinken, daher nehmen die Kleinbauern nicht genug Geld ein, um ihre Arbeitskräfte zu bezahlen und die Plantagen zu pflegen. Die Schokoladenpreise dagegen steigen und die Schokoladenhersteller werden immer reicher.

https://suedwind-institut.de/files/Suedwind/Publikationen/2012/2012-24%20FS%20Die%20Wertschoepfungskette%20von%20Schokolade.pdf